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Tech42 Software Solutions GmbH

Was kostet Softwareentwicklung für KMU? Realistische Preisrahmen 2026

Custom Software kostet im deutschen Mittelstand zwischen 30.000 € und mehreren hunderttausend Euro — abhängig von Umfang, Team-Seniorität und Integrations-Komplexität. Welche drei Preisrahmen typisch sind, welche sechs Faktoren die Kosten treiben und welches Pricing-Modell wann passt.

Jan Raddatz · 10 Min. Lesezeit · Pricing / Mittelstand / MVP / Festpreis
Realistische Preisrahmen für Softwareentwicklung im Mittelstand — von 30.000 € MVP bis mehreren hunderttausend Euro für SaaS-Plattformen

Custom Softwareentwicklung im deutschen Mittelstand kostet zwischen 30.000 € und mehreren hunderttausend Euro pro Projekt. Diese Spanne ist nicht ausweichend — sie ist real. Ein einfaches internes Tool kostet anders als eine SaaS-Plattform für 500 Nutzer. Wer auf die Frage “Was kostet das?” pauschal “60.000 € pro Projekt” antwortet, kalkuliert entweder mit einem Junior-Team oder spart an Architektur, Tests oder Wartbarkeit. Beides rächt sich später teurer als die Ersparnis vorne.

In diesem Artikel sortieren wir die Preisrahmen nach Projekt-Typ, erklären die sechs wichtigsten Kostentreiber und stellen die drei gängigen Pricing-Modelle gegenüber. Sie bekommen damit ein Werkzeug, um Ihr eigenes Projekt selbst grob zu kalkulieren — bevor Sie das erste Angebot einholen.

Drei Preisrahmen, drei Realitäten

Die häufigsten Projekte im Mittelstand fallen in einen von drei Rahmen. Die folgenden Werte sind Marktorientierung für 2026, kein verbindliches Angebot — der konkrete Preis ergibt sich aus der Discovery.

Rahmen 1: 30.000 € – 80.000 € — Internes Tool oder MVP

Ein kleines, fokussiertes Projekt. Typische Beispiele: ein internes Workflow-Tool, ein Kunden-Portal mit klar abgegrenztem Funktionsumfang, eine erste MVP-Version einer SaaS-Idee mit drei bis fünf Kernfeatures. Typische Team-Größe in diesem Rahmen: ein bis zwei Senior-Entwickler über zwei bis vier Monate.

Was Sie für dieses Budget bekommen: eine Webanwendung mit Authentifizierung, sauberem Datenmodell, drei bis fünf Hauptfunktionen, Cloud-Deployment, grundlegende Test-Abdeckung. Was Sie nicht bekommen: aufwendige Integrationen in bestehende ERP- oder CRM-Landschaften, ausgefeilte Berechtigungsmodelle, hochskalierbare Architekturen für tausende parallele Nutzer.

Rahmen 2: 100.000 € – 300.000 € — SaaS- oder Geschäftsplattform

Hier wird es ernst. Eine Multi-User-SaaS für B2B-Kunden, eine interne Geschäftsplattform, die mehrere Abteilungen verbindet, ein API-Produkt mit Versionierung. Typische Team-Größe in diesem Rahmen: ein bis drei Senior-Entwickler plus Architekt plus optional Designer, sechs bis zwölf Monate.

Was hier dazukommt: belastbare Architektur (Microservices oder modularer Monolith — siehe unseren Vergleich der beiden Ansätze), Multi-Tenant-Fähigkeit, Audit-Logs, Rollen- und Rechte-System, Integrationen in Drittsysteme (Zahlung, E-Mail, ERP), durchgängige Tests, CI/CD-Pipeline. In diesem Rahmen liegen viele Tech42-Projekte — zum Beispiel die .NET-Modernisierung für Omniga, bei der mehrere geschäftskritische Anwendungen ohne Ausfallzeit von .NET Framework 4.6 auf .NET 8 migriert wurden.

Rahmen 3: ab 300.000 € — Enterprise-Vorhaben oder Neuentwicklung

Mehrjährige Vorhaben mit hoher Komplexität: vollständige Neuentwicklung eines geschäftskritischen Systems mit paralleler Weiterführung des Altsystems (siehe unsere MSP-Plattform für MOBEX, die als cloud-native SaaS-Plattform den Legacy-Stack ablöst), mehrstufige Plattformarchitekturen, Aufbau eines API-Produkts mit mehreren Mandanten. Typische Team-Größe in diesem Rahmen: drei bis sechs Personen über zehn bis vierundzwanzig Monate.

Hier kommen zusätzlich dazu: Migrationsstrategie, Risikomanagement, schrittweise Übergabe, Schulung interner Teams, manchmal mehrere Phasen mit eigenen Teilbudgets. Auch fließen deutlich höhere Compliance-, Sicherheits- und Test-Aufwände ein.

Sechs Faktoren, die die Kosten wirklich treiben

Die Spanne innerhalb jedes Rahmens ist groß. Was entscheidet, ob ein SaaS-Projekt 100.000 € oder 300.000 € kostet? Sechs Faktoren erklären 90 % der Varianz:

1. Umfang. Jedes zusätzliche Hauptfeature addiert typischerweise 15.000 € bis 40.000 € — abhängig von der Datenmodell-Tiefe. Ein “Ein-Knopf-Export nach CSV” ist etwas anderes als “Multi-Tenant-Reporting mit individuell konfigurierbaren Dashboards”.

2. Team-Seniorität. Ein Senior-Entwickler kostet pro Tag etwa das Doppelte eines Juniors — liefert aber das Drei- bis Fünffache in komplexen Aufgaben und verursacht weniger Architektur-Fehler, die später teuer korrigiert werden müssen. Bei kritischen Projekten kein Sparpotenzial.

3. Technologie-Stack. Etablierte Stacks (.NET 8, Node.js, React) sind günstiger als exotische Wahl (Elixir, Erlang) — nicht weil sie besser sind, sondern weil verfügbare Entwickler den Tagessatz drücken und weniger Risiko-Aufschläge nötig sind.

4. Integrationen. Jede Verbindung zu einem Drittsystem (SAP, Salesforce, DATEV, custom ERP) kostet Aufwand, der weit über dem reinen Coding liegt: Dokumentation lesen, Authentifizierung implementieren, Edge Cases finden, Performance unter Last testen. Eine SAP-Integration kann allein 30.000 € bis 80.000 € kosten — je nachdem, wie sauber das SAP-System dokumentiert ist.

5. Compliance. DSGVO-Konformität ist Pflicht und meist eingepreist. Aber bestimmte Branchen verlangen mehr. Eine Plattform im Gesundheitswesen mit Patientendaten braucht andere Architektur als ein internes Tool für die Buchhaltung. ISO 27001, KRITIS-Auflagen, BAIT/VAIT in der Finanzbranche — jede zusätzliche Compliance-Schicht erhöht den Aufwand zwischen 10 % und 30 %.

6. Geschwindigkeit. Wer ein Projekt in sechs statt zwölf Monaten erledigt haben will, zahlt nicht das Doppelte — sondern das 1,3- bis 1,6-Fache. Schnelle Projekte brauchen größere Teams, mehr parallele Arbeit, mehr Koordination und mehr Risiko-Aufschlag.

Drei Pricing-Modelle — welches passt wann?

Im B2B-Software-Markt gibt es im Wesentlichen drei Abrechnungsmodelle:

Time & Material (T&M). Abrechnung nach tatsächlich geleisteten Stunden oder Tagessätzen. Vorteil: hohe Flexibilität, Änderungen ohne Nachverhandlung möglich, keine Sicherheitspuffer-Aufschläge im Angebot. Nachteil: kein festes Endbudget — das Risiko der Aufwandsschätzung trägt der Kunde. Passt, wenn sich die Anforderungen während des Projekts entwickeln (typisch für SaaS-Produkte mit echtem Nutzer-Feedback).

Festpreis-Werkvertrag. Ein vorher definierter Funktionsumfang zu einem vorher festgelegten Preis. Vorteil: Budget-Sicherheit. Nachteil: jeder Änderungswunsch löst eine Nachverhandlung aus, das Angebot enthält Risiko-Aufschläge (typischerweise 20 % bis 40 %), die Anforderungen müssen sehr klar spezifiziert sein bevor der Vertrag steht. Passt, wenn das Projekt gut umrissen ist und Änderungen unwahrscheinlich sind — z. B. eine Migration mit klar definiertem Soll-Zustand.

Agiler Festpreis / Sprint-Budget. Ein Mittelweg: Sie kaufen Sprints zu einem festen Tagessatz, der Funktionsumfang pro Sprint wird gemeinsam priorisiert. Vorteil: Budget-Kontrolle plus Flexibilität auf Feature-Ebene. Nachteil: erfordert disziplinierte Product-Owner-Arbeit auf Kundenseite.

Versteckte Kosten — die am häufigsten unterschätzten

Das Anfangs-Budget ist nicht das Gesamt-Budget. Vier Posten werden regelmäßig vergessen:

Wartung und Weiterentwicklung. Eine produktive Software verursacht jährlich Wartungskosten in Höhe von 15 % bis 25 % der Initial-Entwicklung — für Security-Patches, Library-Updates, kleine Bugfixes, Hosting-Anpassungen. Eine Software, die 200.000 € gekostet hat, braucht also typischerweise 30.000 € bis 50.000 € pro Jahr danach.

Cloud- und Infrastruktur-Kosten. Bei einer SaaS-Plattform mit 1.000 Nutzern rechnen Sie mit 500 € bis 3.000 € monatlich für Azure, AWS oder GCP — je nach Datenvolumen, Analytik-Anforderungen und Compliance-Level (deutsche Regionen sind teurer als US-Regionen).

Knowledge Transfer. Wenn die externe Entwicklung später von einem internen Team übernommen werden soll, ist die Übergabe ein eigenes Vorhaben. Sauber gemacht: Dokumentation, Pair-Programming, gemeinsame Sprints. Kosten: typischerweise 10 % bis 20 % des ursprünglichen Projekts.

Re-Architecture nach drei bis fünf Jahren. Auch saubere Software altert — durch geänderte Geschäftsanforderungen, neue Compliance-Vorgaben und veraltete Frameworks. Planen Sie nach drei bis fünf Jahren einen Modernisierungs-Sprint ein — Größenordnung 20 % bis 40 % der Initial-Entwicklung. Das ist kein Versagen, das ist normaler Software-Lebenszyklus (mehr dazu in unserem Artikel zur Software-Erosion).

Was ist mit KI?

Eine berechtigte Frage: Senken KI-Tools wie GitHub Copilot, Claude Code oder Cursor die Entwicklungskosten?

Wir arbeiten nicht pre-KI. Diese Tools beschleunigen das eigentliche Coden bei uns spürbar — Boilerplate, Refactorings, Test-Generierung, Dokumentation. Der Produktivitäts-Vorteil ist Teil unserer Festpreis-Kalkulation, nicht ein versteckter Aufschlag.

Was Sie am Ende bezahlen, ist aber kein Code-Volumen, sondern ein marktreifes Produkt. Der Wert steckt in der Architektur, die Ihr System in fünf Jahren noch trägt, in den Integrationen mit Ihrem ERP, in der Security, im Verstehen Ihres Geschäfts. Diese Teile macht ein Software-Architekt — und genau die automatisiert KI heute nicht weg.

Wie Sie Ihr Projekt selbst grob kalkulieren

Eine pragmatische Schätzung für die ersten Investitionsgespräche:

  1. Listen Sie die zehn wichtigsten Features auf. Nicht alle 50 — die zehn, die im ersten Release zwingend dabei sein müssen.
  2. Bewerten Sie jedes Feature nach Komplexität — einfach (CRUD, Liste, Formular), mittel (Berechnung, Workflow, Integration mit einem Drittsystem), komplex (Algorithmus, KI-Integration, mehrere Datenquellen synchronisieren).
  3. Multiplizieren Sie: einfach = 5 bis 10 Personentage, mittel = 10 bis 25 Personentage, komplex = 25 bis 60 Personentage.
  4. Addieren Sie 30 % für Architektur, Tests, Deployment, Dokumentation, Projekt-Management.
  5. Multiplizieren Sie mit einem realistischen Tagessatz für Senior-Engineering im deutschen Mittelstands-Markt (2026): 1.000 € bis 1.400 € pro Tag.

Das Ergebnis ist Ihr Plus-Minus-30-%-Korridor für die erste interne Diskussion.

Beispiel: Sieben einfache Features + zwei mittlere + ein komplexes = (7×7 + 2×17 + 1×45) × 1,3 × 1.200 € ≈ 200.000 €.

Wie Tech42 abrechnet

Wir nutzen zwei Vertragsmodelle, je nachdem was Sie buchen.

Für Projektarbeit, die wir allein liefern: Werkvertrag in zwei Schritten. Erst eine Discovery zum Festpreis (ein bis drei Wochen) — wir schärfen Ihre Anforderungen, identifizieren technische Risiken und bauen ein detailliertes Backlog auf, das Ihnen gehört. Dann der Werkvertrag auf Basis dieses Backlogs: ein Festpreis für den definierten Lieferumfang.

Für Teamverstärkung, Beratung oder hybride Projekte mit Ihren Entwicklern: Dienstleistungsvertrag auf Tagessatzbasis. Sie buchen einen Senior-Entwickler in Ihrem Team, einen Architekten für ein Review oder einen Tech Lead für eine kritische Phase — abgerechnet nach tatsächlich geleisteten Tagen, ohne Mindestlaufzeit. Mehr dazu auf Teamverstärkung.

Mehr über unsere individuelle Softwareentwicklung und unser Vorgehen finden Sie auf der Prozess-Seite. Wenn Sie konkret kalkulieren wollen, ist ein Erstgespräch der schnellste Weg. Buchen Sie gerne ein kostenloses Erstgespräch zur weiteren Klärung.

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